Sommerzeit - Erntezeit

Liebe Leserin, lieber Leser,

passend zur Erntezeit bietet das Sonntagsevangelium mit dem Gleichnis vom Unkraut unter dem Weizen ein Bild aus der Landwirtschaft. „Lasst beides wachsen bis zur Ernte“, heißt es da.

Wir leben in einer Welt voller Widersprüche, voller widerstrebender Interessen und in einer Welt, in der es Gutes und Schlechtes gibt. Diese Widersprüche müssen ausgehalten und in ihrer Tiefe verstanden werden. Gerne würden wir die Widersprüche auflösen und glätten. Das Evangelium rät hier zur Geduld. Auch wenn man sieht, dass Unkraut im guten Weizen wächst, soll man doch geduldig bleiben und nicht vorschnell das Unkraut ausreißen. Das ist eine schwere Übung.

Weiter kann man aus dem Evangelium mitnehmen, dass die Unterscheidung der Geister, die Unterscheidung von Gut und Böse, stattfinden wird. Sich in die Unterscheidung einzuüben ist ebenso wichtig wie die Geduld. Oft ist die Versuchung groß, allem gleichgültig und apathisch gegenüberzustehen. Genau darum geht es nicht. Sondern klar zu bleiben und zu unterscheiden, was Weizen und was Unkraut ist.

Am Ende gibt es die Zeit der Ernte. Das ist ein Drittes, was das Evangelium lehrt. Es gibt eine Zeit der Ernte. Es gibt ein Ende der Zeit und nicht die Wiederkehr des ewig Gleichen. Auf dieses Ende der Zeiten setzt das Evangelium die Hoffnung. Bei der Ernte wird ausgesiebt und der gute Weizen eingeholt. Menschen, die vollkommen von den Widersprüchen niedergedrückt werden und die keinen Ausweg sehen, aber auch nicht wollen, dass es so weitergeht, muss das Ende der Zeit und der Anfang des Gottesreichs wie eine Hoffnung vorkommen.

Ganz schön viel, was das Evangelium da so anbietet: Geduld, an der Unterscheidung der Geister festhalten und am Ende der Zeiten festhalten und ihm entgegenfiebern.

Herzlich grüßt zur Sommerzeit,

Ihr/Euer Kaplan

Jan H. Röttgers

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