Abbruch und Aufbruch
Die Kar- und Ostertage erinnern uns daran, dass es in unserem Glauben um Leben und Tod geht. Der Glaube ist nicht nur ein Gefühl, eine Meinung oder ein bürgerliches Bedürfnis, das privat ausgelebt werden kann und letztlich banal und folgenlos bleibt. Es geht im Glauben viel mehr um den Kampf auf Leben und Tod; die Niederlage angesichts des Todes und den Sieg über den Tod in der Auferstehung. Oft wird die Ernsthaftigkeit der
Christusnachfolge vermisst und das Kreuz wird entweder ganz weggelassen oder verkitscht oder masochistisch aufgelöst. Das wird aber dem Anspruch des Messias nicht gerecht. Es geht ihm um den Bruch mit
der Macht des Todes. Vieles führt auch heute zum Tode. Es gibt Grenzen, an denen Menschen vieltausendfach sterben. Es gibt Kriegsregime und den dritten Weltkrieg in Stücken, der Unzählige maschinenmäßig
tötet. Es gibt eine Wirtschaft, die tötet (Papst Franziskus) und die vielen Ungerechtigkeiten, wegen der Menschen wie tot sind.
Gegen all das und aufgrund dessen wird das Kreuz aufgerichtet, damit der Tod bezwungen und zum Abbruch gebracht werden kann. Ohne Kreuz gibt es kein Ostern. Menschen, die das Kreuz und die Auferstehung ernstnehmen, kennen keine Verzweiflung. Für sie sind auch die todbringenden Verhältnisse nicht zementiert und in Blei gegossen. Sie halten fest an der Veränderbarkeit der Dinge und der Vorläufigkeit des
Todes. Am Ende steht für sie der Sieg über den Tod. Wer Ostern kennt, kann nicht verzweifeln (Bonhoeffer).
Diese Erinnerung an Karfreitag und Ostern lässt nicht untergehen. Es ist eine gefährliche Erinnerung, die den status quo in Frage stellt und zu spannenden Einsichten kommen lässt. Sie lässt auf- und ausbrechen
aus den todbringenden Verhältnissen, sie lässt die Vorläufigkeit von Allem erkennen und setzt in Bewegung.
Dass dieses Jahr in Gievenbeck die Erinnerung an Ostern in einem Zelt gefeiert wird, kann genau dies zum Ausdruck bringen. Das Zelt ist eine vorläufige Bleibe, die abgebrochen und woanders wieder aufgebaut
werden kann. Vom Zeltbau kann man sich inspirieren lassen und anfangen, selbst aufzubrechen und mit dem Messias den Tod in Frage zu stellen.
Diesen österlichen Aufbruch wünscht uns allen
Jan Henrik Röttgers, Kaplan
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Die neue Marke der Pfarrei
Der Apostel Paulus schreibt von der Vielfalt der Gaben, die von dem einen Geist ausgehen und die kein Privatbesitz sind (s. 1 Kor 12,1-11). Wozu der Geist Gottes nicht alles bewegen kann! Jünger:innen führt er aus dem Rückzug in die Öffentlichkeit, aus der Sammlung in die Sendung.
Das findet sich auch in unserer Pfarrei: in der Vielfalt des Engagements, in der Unterschiedlichkeit der Personen, aber auch in der selbstkritischen Suche, wo wir uns als Gemeinde selbst genügen und den Auftrag, für andere da zu sein, ignorieren.


