Ein echter Pilger?

 

Liebe Gemeindemitglieder,

im Juni war ich für drei Wochen „mal weg“. Ich war in Spanien auf dem Jakobsweg – und das bereits zum sechsten Mal. Diesmal führte mich der Weg über 497 Kilometer von Burgos nach Santiago de Compostela. Jeden Tag etwa 30 Kilometer zu Fuß, Übernachtungen in schlichten Pilgerherbergen, und alles, was ich dabei hatte, passte in einen 30-Liter-Rucksack. Nur das Nötigste eben, denn: „Es reist sich besser mit leichtem Gepäck.“ Es war wieder ein unvergessliches Abenteuer mit vielen Begegnungen und Gesprächen mit Menschen aus der ganzen Welt.

In den sozialen Medien liest man häufig, ein echter Pilger beginne seinen Weg in Saint-Jean-Pied-de-Port, übernachte in Pilgerherbergen und nicht in Hotels, reserviere keine Unterkünfte, pilgere allein, lege täglich 25, 30 oder sogar 35 Kilometer zurück, trage seinen Rucksack selbst, habe nur das Nötigste dabei, benutze kein Smartphone und vieles mehr.

War ich also ein echter Pilger? Mit Blick auf diese Liste müsste ich die Frage mit „Nein“ beantworten. Schließlich habe ich mein Smartphone benutzt, und meinen Weg habe ich erst in Burgos begonnen.

Aber wer legt eigentlich fest, was ein echter Pilger macht oder nicht macht? Ich bin überzeugt, das kann nur jeder für sich selbst entscheiden. Denn jeder Mensch hat andere Voraussetzungen – sei es die Gesundheit, die körperliche Fitness oder die Zeit, die ihm zur Verfügung steht.

Für mich gehört zum Pilgern vor allem dazu, die eigene Komfortzone ein Stück weit zu verlassen. Und diese Komfortzone sieht für jeden Menschen anders aus und verändert sich im Laufe des Lebens. Als ich zum ersten Mal auf dem Jakobsweg unterwegs war, war es für mich eine große Herausforderung, morgens nicht zu wissen, wo ich am Abend schlafen würde. Mit der Zeit habe ich jedoch gelernt, dass diese Sorge unbegründet ist. Am Ende habe ich immer einen Platz in einer Herberge gefunden.

Vielleicht ist genau das die wichtigste Erfahrung des Pilgerns: Vertrauen zu lernen – auf den Weg, auf die Menschen und auch auf sich selbst.

¡Buen Camino! Ihr/Euer
Fabian Krimphove,
Pfarrsekretär

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