Liebe Gemeinde,

am kommenden Samstag, dem 11.07., feiert die Kirche den heiligen Benedikt von Nursia. Vor 1.500 Jahren lebte er und gründete den Orden der Benediktiner. Dieser Orden hat den Leitspruch „Ora et labora“ – aus dem Lateinischen übersetzt: „Bete und arbeite.“ Das geistliche Leben und die Arbeit sind beide wichtig und sollten sich gegenseitig ergänzen und ausgleichen.

In meiner Zeit als längerfristiger Gast im Kloster der Benediktinerinnen in Dinklage habe ich diesen Leitspruch erlebt. In der Praxis kommen die Schwestern und alle, die möchten, fünfmal am Tag zusammen, um Psalmen zu singen und gemeinsam zu beten. Die Aufgaben, für die man verantwortlich ist, werden in der Zeit dazwischen erledigt. Dort habe ich erfahren, wie die Gebetszeiten einen bestimmten Rhythmus geschaffen haben: beten, sich auf den Tag vorbereiten, beten, frühstücken, arbeiten, beten, Mittag essen, arbeiten, beten, zu Abend essen, beten, schlafen.

Die wiederkehrenden Gebetszeiten dienen dazu, sich gemeinsam zu versammeln, zur Ruhe zu kommen und Gott wieder in den Mittelpunkt zu stellen. Ich habe dadurch eine Rückkehr zu Gott und eine innere Ruhe erfahren. Diese Besinnung hat auch meine Haltung bei der Rückkehr zu meiner Arbeit und meinen Aufgaben beeinflusst. Sicherlich hatte nicht jede Gebetszeit einen so deutlichen Effekt, und dieser war mir auch nicht immer bewusst. Doch durch die immer wiederkehrende Routine hat sich mein Bewusstsein für Gottes Gegenwart im Alltag verändert.

In meinem heutigen Leben gelingt mir ein solcher Rhythmus oder eine solche Balance zwischen Beten und Arbeiten nicht mehr wie damals im Kloster der Benediktinerinnen. Mit Familie, Arbeit und allem, was dazugehört, sind die Momente, in denen ich zur Ruhe komme und Gott wieder in den Mittelpunkt stellen kann, selten. Eigentlich wünsche ich mir eine bessere Balance. Mit diesem Schreiben möchte ich mich selbst ermutigen – und ich hoffe auch Sie und Euch –, sich die folgenden Fragen zu stellen und daraus Schlüsse für den Alltag zu ziehen:

Wie ist die Balance zwischen meinem geistlichen Leben und meinem täglichen Tun?
Wie kann ich beide Seiten besser miteinander in Einklang bringen?

Mary-Abigail Coleman
Pastoralassistentin

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Der Apostel Paulus schreibt von der Vielfalt der Gaben, die von dem einen Geist ausgehen und die kein Privatbesitz sind (s. 1 Kor 12,1-11). Wozu der Geist Gottes nicht alles bewegen kann! Jünger:innen führt er aus dem Rückzug in die Öffentlichkeit, aus der Sammlung in die Sendung.

Das findet sich auch in unserer Pfarrei: in der Vielfalt des Engagements, in der Unterschiedlichkeit der Personen, aber auch in der selbstkritischen Suche, wo wir uns als Gemeinde selbst genügen und den Auftrag, für andere da zu sein, ignorieren.