Passionszeit

- verhülltes Kreuz und Hungertuch in der Überwasserkirche

 

Die zwei Wochen vor Ostern werden in der Tradition der Kirche als Passionszeit bezeichnet. Das sichtbare Zeichen für diese Zeit ist das verhüllte Kreuz in den Kirchen, begleitet von den vielfachen Lesungen der Leidensgeschichte Jesu, wie sie in den Evangelien überliefert ist.
In diesen von der Corona-Pandemie geprägten Wochen sind die offenen christlichen Kirchen vielfach Anlaufstelle für das persönliche Gebet und für die eigene Andacht. Daher ist die Überwasserkirche von Montag, 22.03.2021 bis Gründonnerstag, 01.04.2021 mit besonderen Akzenten gestaltet:

Zum einen ist – wie in jedem Jahr – das große Triumphkreuz in der Vierung der Kirche mit einem violetten Tuch verhüllt. Erst am Karfreitag wird das Kreuz enthüllt, damit Christus am Kreuz verehrt werden kann.

Wir haben zudem das diesjährige Hungertuch von Misereor auf dem Boden im Chorraum der Kirche installiert. Eigentlich muss ein Hungertuch aufgehängt werden, weil es im Prinzip auch der Verhüllung dient. Das Hungertuch unter dem Titel „Du stellst meine Füße auf weitem Raum – die Kraft des Wandels“ hat die Künstlerin Lilian Moreno Sanchez gestaltet.

Misereor schreibt dazu: „Basis des Bildes ist ein Röntgenbild, das den gebrochenen Fuß eines Menschen zeigt, der in Santiago de Chile bei Demonstrationen gegen soziale Ungleichheit durch die Staatsgewalt verletzt worden ist. Das Bild ist auf drei Keilrahmen, bespannt mit Bettwäsche, angelegt. Der Stoff stammt aus einem Krankenhaus und aus dem Kloster Beuerberg nahe München. Zeichen der Heilung sind eingearbeitet: goldene Nähte und Blumen als Zeichen der Solidarität und Liebe. Leinöl im Stoff verweist auf die Frau, die Jesu Füße salbt (Lk 7,37f) und auf die Fußwaschung (Joh 13,14ff ).“

Das Röntgenbild des gebrochenen Fußes und das Medium der Krankenhausbettwäsche provoziert, dass das Tuch nicht aufgehängt, sondern auf dem Boden ausgelegt wird. Wir haben dazu das Hungertuch auf Matratzen aufgespannt, so dass es wie ein Kissenbild von Gotthard Graubner erscheint. Die Zeiten der offenen Kirche sind ebenfalls geprägt von einer Zusammenstellung musikalischer Titel, wie sie schon in der Zeit des Advents 2020 zu hören waren. In dieser Passionszeit überwiegen Musikstücke und Lieder, die die politische Dimension des Hungertuchs und die Botschaft der Kar- und Ostertage aufnehmen. Die klassischen Elemente des christlichen Gottesdienstes, das Kyrie, Goria, Credo, Sanctus und Agnus Dei bilden dabei die damaturgische Grundstruktur dieser Zusammenstellung.

Wir laden herzlich zur Betrachtung, zu Meditation und persönlichem Gebet in der Überwasserkirche ein.

 

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